Tel Avivs Generation WHY

Tel Aviv – von der New York Times als die mediterrane «City of cool“ gehuldigt.

Eine Stadt, in der - so scheint es - alles möglich ist. Wo Partys endlos, die Strände rund um die Uhr belebt und das Angebot an hippen Restaurants und Bars grenzenlos sind. Tel Aviv ist eine einzige riesige Kunst- und Kulturszene. Hunde werden im Pyjama und Lockenwicklern im Haar in Parks ausgeführt, durchtrainierte Jungs mit Kippa spielen Volleyball am Beach mit Kippa auf

und Homosexuelle sind im Mekka der LGBT-Community angekommen.

In Tel Aviv kann jeder so sein, wie er will. Und darauf ist man stolz.

Doch wer ist Tel Avivs Generation Y – weltweit bekannt für ihren hippen Lifestyle, die wilden Partys und den vielen Spass? Woher kommt diese Einstellung und warum sind sie doch so anders als der Rest der Welt?

„We are good in forgetting“

Tel Aviv kennt viele Spitznamen. Offiziell wird die Stadt „The Non-Stop-City“, also "die Stadt, die niemals schläft", genannt. Unter Einheimischen ist oft auch liebevoll von „The Big Orange“, wegen der Orangen aus dem benachbarten Jaffa genannt, die Rede. Und seit geraumer Zeit trägt die Stadt auch den Namen „The Bubble“. Letzteres wird einem ganz schnell bewusst, sobald man die Stadt betritt. Tel Aviv bedeutet Leben in der Gegenwart, abgeschottet von dem ganzen Dilemma rundherum. Die Stadt mit ihren goldfarbenen Stränden hat eine kurze Geschichte, geprägt von den politischen Konflikten Israels.

Doch davon wollen viele junge Menschen, die in Tel Aviv leben, nichts wissen. Sie möchten einfach leben und zelebrieren dies mit grosser Begeisterung und sehr viel Charme. Doch das Leben in der Blase hat seinen Preis. Ein Grossteil der Steuern und Staatsgelder fliessen ins Militär und die weltbeste Rüstungstechnologie. Nach der Schulzeit geht jeder israelische Teenager für mindestens drei Jahre ins Militär. So will es das Gesetz. Während dieser Zeit erhalten Sie ein Taschengeld von 100 Franken. Entlassen aus dem Militär, sind viele israelische Jugendliche verschuldet und gezwungen, erst einmal zu jobben. An ein Studium ist dann noch kaum zu denken, denn gerade Lebensunterhaltskosten sind extrem hoch in Tel Aviv.

Die Mietpreise sind nicht reguliert und halten locker mit Züricher Mietpreisen mit. Doch auch Lebensmittelpreise, die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem und vor allem auch die Steuerlast sind unverhältnismässig hoch. Und so gab es 2011 erstmals in der jungen Geschichte Israels Sozialproteste. Eine halbe Million Israelis sind auf die Strasse gegangen und forderten eine gerechtere Gesellschaftsordnung, bis anhin leider ohne nachhaltigen Erfolg. Doch eines haben die Proteste gezeigt: Tel Avivs Jugend setzt sich für sein Wohl ein und lässt sich, trotz Konflikten und der schwierigen Lage des Landes, nicht unterdrücken.

„It’s not gonna change, as far as "Bibi" is the head oft he Country“

Geschichtliches und Lage:

Rund 400'000 Menschen leben in Tel Aviv. Vor allem junge Israelis zieht es aus den sonst so von Religionen und Traditionen dominierten Städten ins liberale Tel Aviv. Mitten auf dem Rothschild Boulevard fällt eine mosaikverzierte Wand besonders auf. Die Aufschrift „We were all once refugees“, auf Deutsch „Wir waren alle einmal Flüchtlinge“, symbolisiert nur zu gut die Mentalität der Menschen in dieser Stadt.

Der 11. April 1909 gilt als Gründungsdatum Tel Avivs, der ersten modernen jüdischen Stadt in Palästina. Die Jahre danach waren geprägt durch die grosse Einwanderungswelle, mehr als 250.000 Juden flüchteten als Reaktion auf den Holocaust und Verfolgung in Europa nach Palästina. Nach dem Ersten Weltkrieg genehmigte Großbritannien die Einwanderung der Juden. Die Situation spitzte sich nach dem Holocaust im Zweiten Weltkrieg, der in Europa sechs Millionen jüdische Opfer forderte, zu. Die internationale Unterstützung für die zionistische Bewegung wuchs und die UN-Generalversammlung beschloss am 29. November 1947 die Teilung Palästinas in zwei Staaten: einen arabischen und einen jüdischen Staat - wobei Jerusalem als „Corpus separatum“ unter UN-Verwaltung stehen sollte. Der Beschluss wurde von den meisten Juden in Palästina akzeptiert, von den meisten Arabern jedoch abgelehnt. Als am 14. Mai 1948 die britische Verwaltung endete und David Ben Gurion die israelische Unabhängigkeitserklärung und somit die Gründung des Staat Israel verlas, erfüllte sich für Juden endlich der Traum vom eigenen Staat Doch die Freude war nur kurz. Noch in der Gründungsnacht erklärten ÄgyptenSaudi-ArabienJordanienLibanonIrak und Syrien dem jungen Staat den Krieg. Weil Israel über moderne Waffen und eine hohe Motivation verfügte, seinen Staat zu verteidigen, gewann es diesen Krieg. Israel vergrößerte so sein Territorium.

 

Die Geburtsstunde Israels gilt gleichzeitig für die Palästinenser als Katastrophe, „Nakba“ genannt. Hunderttausende Palästinenser flüchteten in arabische Nachbarländer, den Gazastreifen und das Westjordanland, wo sie und ihre Nachkommen bis heute als Flüchtlinge - teilweise in von der UNRWA betreuten Flüchtlingslagern - leben.

Trotz einem Waffenstillstand entlang der sogenannten Grünen Linie gab es in den Folgejahren zahlreiche Kriege und Terroranschläge durch radikale palästinensische Vereinigungen wie der Hamas, sowie zu unzähligen Gewaltausbrüchen.

Nach Jahrzehnten der Gewalt im Nahen Osten ist eine friedliche Lösung des Konflikts auch heute noch nicht in Sicht. Der Nah-Ost-Konflikt ist geprägt von Krieg, Leid und der Vertreibung verschiedener ethnischer Minderheiten. 

Doch wie ist es für die Generation Y Israels, Kinder des Digitalen Zeitalters, inmitten von Krieg und Leid zu leben? Und was wünschen sie sich für sich, das Land und ihre „Feinde“?

 

 

 

Dieses Projekt verzichtet auf eine zugespitzte Abrundung mit pointiertem Schlusswort – denn es gibt weder ein angemessenes Fazit noch eine gerechtfertigte Auslegung der Situation in Israel oder der Lebensweise junger Tel Avivier. Einzig und allein soll dieses Projekt einen neuen Blickwinkel bieten, ein Gesicht zu einem abgestumpften Thema zeigen und bestenfalls ein Moment schaffen, in dem zugehört statt geurteilt wird.

„I’m not gonna stop my life,

just because of this situation“

Dieses Projekt verzichtet auf eine perfekte Abrundung mit einem passenden Schlusswort – denn es gibt weder ein angemessenes Fazit noch eine gerechtfertigte Auslegung der Situation in Israel oder der Lebensweise junger Tel Avivier. Einzig und allein soll dieses Projekt einen neuen Blickwinkel ebnen, ein Gesicht zu einem abgestumpften Thema bieten und schönsten falls ein Moment schaffen, um mehr zuzuhören statt zu urteilen.

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